Es ist eine verrückte Welt. Datenschützer überlegen krampfhaft, wie man den großen Konzernen und vor allem Google, Facebook und Co. das maßlose Sammeln und Auswerten von persönlichen Daten abgewöhnen oder wenigstens einschränken kann. Nebenbei erfahren wir, dass Institutionen wie z. B. der BND gerade in den sozialen Netzwerken verstärkt Daten und Profile von Nutzern sammeln und auswerten will. Und nicht nur das: Als nächstes soll noch eine Stimmerkennung hinzukommen, mit der Personen über ihre Stimme identifiziert werden können. Eine Gesichtserkennung ist ja schon in Arbeit. Die totale Überwachung und Kontrolle bleibt also auf jeden Fall gewährleistet.

Der ganz Aufwand soll dem Kampf gegen den Terrorismus dienen. Bisher sind die Erfolge eher dürftig, der Vormarsch der Islamisten im Irak hat alle überrascht. Aber vielleicht sind nicht alle Terroristen in den sozialen Netzwerken vertreten?
In den USA kamen 2013 etwa 100 Menschen durch terroristische Anschläge ums Leben. 100 zu viel, klar, doch im selben Jahr starben rund 30000 Menschen durch andere Verbrechen oder durch den leichtfertigen Gebrauch provater Schusswaffen. Da wird ein Milliardenaufwand betrieben, um 100 Opfer zu vermeiden, und gleichzeitig werden 30000 andere Opfer in Kauf genommen, damit die Waffenindustrie weiterhin schöne Gewinne erzielen kann.

Die Terrorabwehr kann also nicht der alleinige Grund für den Überwachungswahn staatlicher Stellen sein. Es gibt noch einen anderen Grund, und ich fürchte, das ist kein guter. Wenn ein Staat seinen Bürgern klar macht, dass er jederzeit alles über jeden wissen kann, dann kann er ihr Verhalten beeinflussen. Die Masse wird bemüht sein, unauffällig zu bleiben und im Interesse der Staatsmacht zu handeln. Abweichler werden schnell entdeckt. Nur: Was ist, wenn Daten oder der Auswertealgorithmus Fehler enthalten? Dann kann auch jemand, der wirklich harmlos ist, plötzlich als Terrorist verdächtigt und verfolgt werden. Mit wenig Aussicht auf Entkommen, denn die Daten, das Ein und Alles der Behörden, sprechen ja gegen ihn.