Back to Top

Titel Start

Die kleine Fotoecke

Ein paar Gedanken zum Hobby Fotografie

 

An der Nordseeküste ...

 

Dieser Blog war nicht geplant, aber nachdem ich mich auf der Suche nach einer neuen Kamera ein wenig in Netz umgesehen habe und dabei feststellte, dass es viele widersprüchliche Meinungen gibt und sogar bei einigen Berufsfotografen teilweise falsche Informationen zu finden sind, habe ich mich entschlossen, ein paar eigene Erfahrungen beizusteuern. Ich versuche dabei, markenneutral zu sein. An den Glaubenskriegen zwischen den Anhängern bestimmter Hersteller möchte ich mich nicht beteiligen. Ich bin sicher, dass man mit Kameras aller Hersteller gute Fotos machen kann, denn die Technik unterscheidet sich nicht gravierend und es kommt vor allem auf den Fotografen an.
Spezielle Abhandlungen zur Technik sind nicht geplant, dazu gibt es in den unendlichen Weiten des WWW oder in einigen guten Büchern genug Material.

Canons geheimnisvolle Tonwertpriorität

Drucken Drucken

Mit der EOS 40D hat Canon schon vor Jahren die Option "Tonwertpriorität" eingeführt, die seitdem in allen neu erschienenen Kameramodellen enthalten ist und unter den Bildeinstellungen aktiviert werden kann (im Display = "D+"). Da Canon die Funktion nicht im Detail, sondern nur eher allgemein erläutert, gibt es im Internet reichlich Spekulationen und Thesen dazu. Oft sind sie falsch, und sogar in einem Buch zu einer Kamera fand ich eine falsche Information dazu.
Die wichtigsten Fragen sind sicher: Was bewirkt diese Option, wie sinnvoll ist sie, wie wirkt sie sich auf RAW-Aufnahmen aus? Die Antworten dazu in aller Kürze vorab:
> Nein, es ist keine einfache Unterbelichtung um eine Stufe wie bei einer manuellen Belichtungskorrektur, sondern sie betrifft nur die Lichter, in denen die Zeichnung etwas verbessert wird.
> Ansichtssache, in hellen Umgebungen mit starken Kontrasten kann sie etwas mehr Details erhalten, in dunklen Situationen würde ich sie ausschalten. Ob sie besser funktioniert als die Lichterkorrektur in der Nachbearbeitung muss noch erforscht werden. Theoretisch müsste das so sein, denn:
> Ja, sie verändert auch RAW-Dateien! Siw greift bereits am Sensor ein und nicht erst bei den aufbereiteten Daten. Die Tonwertpriorität ist nicht zu verwechseln mit der automatischen Belichtungsoptimierung, die nur auf JPEG wirkt.

Hier zwei Beispielbilder, fotografisch sicher keine Highlights, aber sie zeigen zwei wesentliche Dinge. Die Ansicht stammt aus dem RAW-Konverter, beide Aufnahmen sind unbearbeitet. Links ist D+ ausgeschaltet, die Belichtung erfolgte mit ISO100 und 1/125s. Die kleinen roten Flecken in den Wolken kommen von der Überbelichtungswarnung des Konverters. Rechts eine Aufnahme mit aktiviertem D+. Die Belichtung hat sich nun auf ISO200 und 1/250s geändert. Die Überbelichtungswarnung spricht nicht mehr an. Wir erkennen daraus zweierlei: Mit D+ werden die Lichter etwas reduziert und die mittleren Bereiche sowie die Schatten bleiben unverändert. Bei einer einfachen Unterbelichtung wäre das gesamte Bild dunkler geworden.

Tonwertpriorität ausgeschaltet                                                     Tonwertpriorität eingeschaltet

 

Die Wirkung ist hier nicht dramatisch, die Funktion greift sanft ein. Tatsächlich wird die Spitzlichtkorrektur auch nur bei Bedarf wirksam und nur so viel wie notwendig. Dabei ist die Wirkung auf maximal eine Blendenstufe begrenzt. Canon erreicht damit eine kleine Erweiterung des Dynamikumfangs der Kamera, daher wohl auch das Kürzel "D+".
In einer Anleitung heißt es: "Die Detailschärfe in hellen Bereichen wird verbessert. Der Dynamikumfang wird vom Standardwert 18% Grau auf helle Tonwerte erweitert. Die Gradation zwischen den Grautönen und den Lichtern wird weicher." Im Digital Learning Center findet sich zudem ein kleiner Hibweis, dass die TP auch für RAW-Fotografen nützlich sein kann, insbesondere bei der Verwendung von Canons DPP. Auch dort kann man die Funktion nicht mehr nachträglich deaktivieren. Im Wesentlichen werden also die helle Bereiche bei Bedarf leicht unterbelichtet, die anderen Bereiche normal. Das wird durch eine Verschiebung der ISO-Werte (also der Signalverstärkung) erzielt. Daher steht der unterste ISO-Wert mit TP nicht zur Verfügung. Wie die Seite "web-done.de" in einem Gespräch mit dem Canon Professional Service darüber hinaus erfuhr, werden auch die Farbkanäle Rot/Blau und Grün etwas unterschiedlich behandelt (in den Lichtern wird Grün etwas verstärkt, in den Schatten Rot und Blau). Die TP-Funktion ist also komplexer als von den meisten angenommen.

Die TP-Option kann zu etwas mehr Bildrauschen führen, da die Mitten und Tiefen eines Bildes immer mit einem um eine Stufe erhöhten ISO-Wert belichtet werden. Bei hohen ISO-Werten kann es also besser sein, die Tonwertpriorität zu deaktivieren. Bei niedrigeren Werten sollten aktuelle Kameras keine großen Probleme haben.

Ob die Tonwertpriorität nun Sinn macht oder nicht, kann ich für mich noch nicht abschließend sagen. Es sieht zumindest so aus, als könnten gute RAW-Konverter in der Nachbearbeitung dasselbe leisten. Die Theorie spricht natürlich dagegen. Was im Bild nicht enthalten ist, kann auch in der besten Nachbearbeitung nicht mehr herausgeholt werden. Wenn D+ also von vornherein das Ausbrennen der Lichter reduziert, dann steht auch in der Nachbearbeitung mehr Bildinformation zur Verfügung als ohne TP. Vielleicht gelingt mir eines Tages ein geeignetes Testfoto.


 

Die passende Speicherkarte

Drucken Drucken

Klingt eigentlich ganz einfach, sorgt aber immer noch für Missverständnisse: Die Wahl der geeigneten Speicherkarte für die Digitalkamera. Vor allem Umsteiger aus der analogen Welt sind häufig verwirrt angesichts der oft kryptischen Bezeichnungen. In Foto-Foren im Internet findet man gelegentlich Fragen wie diese: "Mit welcher Speicherkarte bekomme ich die beste Bildqualität?" Und es gibt - ernstgemeinte - Antworten und Aussagen wie "Mit der Karte A werden meine Bilder unscharf" oder "Mit der Karte B hatte ich einen Farbstich". Um es vorweg zu nehmen: Das dürfen wir getrost ins Reich der Einbildung abschieben. Die Speicherkarte hat definitiv keinerlei Einfluss auf die Bildqualität!

Die Verunsicherung ist verständlich, wenn jemand aus der analogen Welt kommt. Dort ist der Film gleichzeitig Aufnahme- und Speichermedium. Jeder Hersteller hat seine eigene Charakteristik, Auflösung und Farbwiedergabe. In der digitalen Welt wird das Bild durch den Bildsensor und die Auswerteelektronik der Kamera bestimmt. Aus den Daten wird eine Bilddatei erzeugt, die schließlich auf die Speicherkarte geschrieben wird. Die Karte verändert dabei nichts mehr (es sei denn, sie hätte einen Defekt).

So gesehen, ist es also zunächst einmal völlig egal, für welche Karte man sich entscheidet, nur der Kartentyp muss passen. Das ist einfacher, da die äußerlichen Unterschiede gravierend sind.
Am weitesten verbreitet ist die SD-Karte (Secure Digital memory card), die rund zwei Daumennägel groß ist. Ein deutlich kleinerer Ableger ist die Micro-SD-Karte, die aber im Systemkameras kaum eingesetzt wird. Die Micro-SD-Karte kann mit einem SD-Adapter, der oft mitgeliefert wird, auch in einen SD-Steckplatz gesteckt werden. Es soll allerdings einige wenige Kameras geben, die die Karte dann nicht erkennen). Einige Anwender bevorzugen diese Lösung, weil sie meinen, dass die Karte dadurch besser geschützt sei. Als Elektrotechniker halte ich davon nicht so viel, denn damit wird eine zusätzliche Kontakteben eingeführt (Karte-Adapter, Adapter-Kamera) und das ist eine zusätzliche Fehlerquelle.
Im Profisektor findet man auch noch die CF-Karte (Compact Flash). Sie ist etwa doppelt so groß wie die SD-Karte, etwas dicker und hat eine vielpolige Buchsenleiste für die elektrische Verbindung. Hierfür gibt es keine Adapter. Man muss also einbauen, was der Hersteller vorgesehen hat. CF-Karten können Daten parallel und damit wesentlich schneller übertragen als SD-Karten, die lange als einfach, aber langsam galten. Mit den neuen Schnittstellen sind die Unterschiede aber deutlich geringer geworden.

Nachdem wir durch den Kamera-Hersteller auf den Kartentyp festgelegt sind (einige wenige Kameras können zwei unterschiedliche Karten aufnehmen), bleibt die Qual der Wahl bei Speichergröße, Geschwindigkeit und Hersteller.

Speichergröße: Je nach Größe haben die Karten unterschiedliche Bezeichnungen. Wir sprechen meistens von der "SD-Karte", doch die gibt es kaum noch. SD ist der alte Standard aus der Anfangszeit und geht bis maximal 2 GB. Die aktuellen Karten heißen SDHC (High Capacity) und SDXC (eXtended Capacity) und bieten Speichergrößen von 4 GB bis 32 GB (HC) sowie 64 GB bis 2 TB (XC). Die meisten Kameras akzeptieren auch XC, eine Garantie gibt es aber nicht, wenn es in der Anleitung nicht aufgeführt wird.

Wie groß muss der Speicher sein? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Wieviel Platz ihr benötigt, hängt von euren Fotografiergewohnheiten ab: Viel oder wenig, JPEG oder RAW, dazu Video in SD, HD oder gar 4k? Angaben, die eine ungefähre Abschätzung ermöglichen, findet ihr im Handbuch eurer Kamera. Zu beachten ist, dass nicht alle Kameras alle Speichergrößen unterstützen. Wenn ein (älteres) Modell nur maximal 32GB unterstützt, ist es sinnlos, eine größere Karte einzusetzen. Auch solche Angaben finden sich im Handbuch.
Eine Anmerkung noch: Es ist bequem, eine große Karte zu nehmen, auf die eine ganze Fotoreise passt. Ich habe allerdings selber lange Zeit mit mehreren kleinen Karten gearbeitet. Wäre dann einmal eine davon ausgefallen oder verloren gegangen, wären nicht gleich alle Aufnahmen verloren gewesen. Man kann natürlich auch regelmäßig Backups machen, aber ich habe keine Lust, auf Reisen auch noch einen Laptop mitzuschleppen. Meine aktuelle Kamera unterstützt zwei Karten, daher habe ich nun zwei gleich große, von denen eine als Backup dient.

Geschwindigkeit: Hier herrscht leider eine gewisse Verwirrung und die Marketing-Abteilungen der Hersteller tragen ihren Teil dazu bei. Zunächst einmal müssen wir unterscheiden zwischen dem Übertragungsstandard, mit dem Kamera oder Kartenleser und die Speicherkarte miteinander kommunizieren. Der bestimmt, wie schnell die Daten über die Leitungen transportiert werden können. Es gibt SD ohne eine Kennzeichnung auf der Karte, mit dem bis zu 25MByte/s möglich sind, UHS-I (Ultra High Speed) für bis zu 104 MByte/s und UHS-II mit maximal 312 MByte/s. Sie sind unauffällig durch die römischen Ziffern I oder II neben dem Kartentyp gekennzeichnet.
Glücklicherweise sind diese Standards untereinander kompatibel, allerdings gibt es Berichte, wonach UHS-II in SD oder UHS-I nicht immer funktioniert (da braucht man aber auch kein UHS-II).
Das Interface sagt aber noch nichts darüber aus, wie schnell Daten tatsächlich in den Speicher geschreiben oder daraus gelesen werden können. Hier spielen die Speicher-Controller in der Kamera und in der Karte ebenso eine Rolle wie der verbaute Speicherchip. Und da gibt es große Unterschiede. Die Hersteller geben meistens die maximale Lesegeschwindigkeit an, manchmal auch die Übertragungsgeschwindigkeit. Die hat die geringste Aussagekraft. Auch die Lesegeschwindigkeit ist wenig interessant, sie spielt eigentlich nur dann eine Rolle, wenn wir große Bildermengen zur Bearbeitung oder Sicherung auf den PC übertragen wollen. Wesentlich wichtiger ist die Schreibgeschwindigkeit. Daten zu schreiben ist für einen Flash-Baustein eine recht aufwändige Angelegenheit und dauert deshalb meistens deutlich länger als das einfache Auslesen. So kann eine Karte, die mit 80MB/s Lesen wirbt, beim Schreiben z. B. auf 10MB/s abfallen. Ihr kennt das sicher von USB-Sticks, die beim Lesen recht flott, beim Schreiben aber auch mal quälend langsam sein können. Daher geben die Hersteller diesen Weret nicht gerne an. Auf der Karte steht er fast nie, manchmal findet man ihn auf der Verpackung oder sonst auf der Internet-Seite des Herstellers.
Warum und für wen ist dieser Wert wichtig? Unter normalen Umständen ist es ziemlich egal, ob das Speichern einer Aufnahme zwei zehntel Sekunden oder gut eine Sekunde dauert, wir merken keinen Unterschied. Spannend wird aber, wenn ihr im RAW-Format fotografiert, in dem die Dateien wesentlich größer sind, und dann vielleicht auch noch Reihenaufnahmen macht. Schon bei nur 3 Bildern pro Sekunde fallen bei einer RAW-Datei von 30MB pro Bild schon satte 90MB/s an. Je schneller diese Daten gespeichert werden können, desto länger dauert es, bis der Pufferspeicher in der LKamera voll ist. Ein weiterer Fall ist die Video-Aufnahme. SD ist kein Problem, HD bewältigen die aktuellen Karten meistens auch noch problemlos. Bei 4k-Video steigen die Anforderungen noch einmal erheblich. Hinzu kommt, dass in diesem Fall die Daten über einen längeren Zeitraum kontinuierlich geschrieben werden müssen, sonst gibt es Aussetzer. Deshalb wurde eine weitere Kennzeichnung eingeführt, die die garantierte Mindestdatenrate im Dauerbetrieb angibt. Hier schreibt man aber nicht mehr MB/s, sondern es wird eine Geschwindigkeitsklasse angegeben. Um die Verwirrung zu steigern, gibt es je nach Kartentyp unterschiedliche Kennzeichnungen, derzeit drei, und man kann auch alle drei auf einmal auf einer Karte findedn.
Für den SD-Standard gibt es die Klassen C2, C4, C6 und C10, dargestellt als ein großes "C" mit der entsprechenden Zahl darin. Die Zahlen stehen für die Mindestgeschwindigkeit in MB/s. Für UHS gibt es U1 und U3, dargestellt als großes "U" mit der zahl darin. Die Bedeutung ist ähnlich, nämlich 10MB/s und 30MB/s. Hier wollte man wohl eine Ziffer einsparen. Zusätzlich gibt es noch die Video-Speed-Class, gekennzeichnet durch ein "V" und der Zahl 6, 10, 30, 60 oder 90 daneben. Auch hier entspricht die Zahl wieder der Datenrate in MByte/s. Vermutlich soll das suggerieren, dass diese Karte für Video-Aufzeichnungen besonders gut geeignet ist...

Es ist aber sinnlos, eine Karte einzusetzen, die deutlich schneller ist als die Kamera. Leider geben die Kamera-Hersteller kaum Auskunft darüber, was ihre verschiedenen Modelle können. Solche Angaben findet man oft nur in Testberichten. Welche Datenmengen eure Kamera erzeugt, könnt ihr der Anleitung entnehmen. Für Videoaufnahmen ist es sinnvoll, ein wenig über dem absoluten Minimum zu bleiben, um etwas Reserven zu haben.

Bei CompactFlash-Karten ist natürlich alles etwas anders, aber auch etwas einfacher. Es gibt nur einen verbreiteten Typ I. Die neue, noch schnellere Variante CFast ist noch nicht sehr verbreitet. Sie ist mit dem Schriftzug "CFast" versehen, hat etwas andere Maße und passt nicht in den CF-Slot. Der sehr hohe Preis sollte verhindern, dass ihr versehentlich so eine Karte kauft.
Die Speichergröße und die Geschwindigkeit sind auf der Karte aufgedruckt. Häufig, vor allem bei etwas langsameren Karten, gilt die hier angegebene Geschwindigkeit für Lesen und Schreiben, bei den schnelleren ist die Schreibgeschwindigkeit meistens etwas niedriger als die Lesegeschwindigkeit. Auch hier gilt: Was die Kamera nicht unterstützt, bringt keine Vorteile.
Die garantierte Mindestgeschwindigkeit für Videoaufnahmen wird ähnlich wie bei SD-Karten angegeben, hier durch eine symbolisierte Filmklappe mit einer Zahl darunter. Diese Zahl gibt die MB/s an.

Die Geschwindigkeit wird meistens in MB/s angegeben, einige Hersteller schreiben jedoch einen Faktor, z. B. 800x, auf die Karte. Diese Schreibweise stammt aus der Zeit der CD-ROM, deren Geschwindigkeit ebenfalls in Faktoren angegeben wird. Der Wert 1x bedeutet 150kB/s, also gerundet 0,15MB/s. Eine Angabe von 1000x bedeutet also 150MB/s.

Hersteller: Bei SD ist die Auswahl wesentlich größer als bei CF. Generell gilt: Es gibt nicht den einen besten Hersteller, die selbe Karte kann sich in verschiedenen Kameras unterschiedlich verhalten. Ich persönlich halte nicht so viel von den ganz billigen Noname-Produkten oder von extremen Schnäppchen aus unbekannten Quellen. Gerade bei SD gibt es Produktfälschungen oder minderwertige Bauteile. Ich bevorzuge, wie schon bei den alten Filmen, das Material der Profis. das heißt: MArkenhersteller, die eine deutlich verlängerte Garantie geben aus seriösen Quellen. Da ich die Karten wiederverwende, ist das eine längerfristige Investition und ein paar Euro mehr sind nicht so schlimm wie eine verlorene Bilderserie. Die Zuverlässigkeit ist mir wichtiger.

 

Welche Kamera soll ich kaufen?

Drucken Drucken

Ein Blick in die einschlägigen Foren zeigt, dass dies eine oft gestellt Frage ist und das hier viel Verunsicherung herrscht. Das Angebot ist groß, die Preisspannen auch. Eines noch vorweg: Dieser Beitrag bezieht sich ausschließlich auf Systemkameras, also Spiegelreflex, Spiegellose und ähnliche mit Wechselobjektiven.

Ich habe mich erst relativ spät, nämlich 2010, für den Umstieg auf die digitale Technik entschieden. Es wurde eine Spiegelreflex-Kamera, was vor allem daran lag, dass ich vorher etwa 30 Jahre lang mit einer solchen gearbeitet hatte. Es war also Gewohnheit und der Wunsch, etwas "Richtiges" in der Hand zu halten. Mit den kleinen Knöpfchen an den Kompakt-Kameras shatte ich so meine Schwierigkeiten.

Die Anforderungen waren zunächst klar: Sie sollte handlich und leicht sein, also für Reisen geeignet, und eine brauchbare Videofunktion besitzen, da ich nicht mehr mit zwei Kameras herumlaufen wollte. Nach dem Studium verschiedener Fachzeitschriften, Internetbeiträge und Testberichte war ich nicht wesentlich schlauer. Ich hatte zwar eine Präferenz, war aber nicht ganz sicher und ging ein Fachgeschäft. Dort konnte ich mehrere verschiedene Modelle von verschiedenen Herstellern ausprobieren. Die ursprünglich angedachte, kompakte Kamera war dann schnell aus dem Rennen. Sie ließ einfach nicht so gut halten, die Auswahl an Wechselobjektiven war klein und die Bedienung war teilweise umständlich. Ich habe mich dann für eine Kamera entschieden, die etwas größer und deutlich schwerer war, aber gut in der Hand lag und bei der alle wichtigen Funktionen schnell und einfach erreichbar waren. Das war mir wichtiger als technische Daten oder eine bestimmte Marke.

So lautet mein erster Tipp: Versucht, ein gutes Fachgeschäft zu finden, in dem ihr markenunabhängig beraten werdet. Der Händler sollte mehrere Modelle von verschiedenen Herstellern haben, die infrage kommen können und die ihr dort ausprobieren könnt. Dafür sollte er sich die notwendige Zeit nehmen, ohne zu drängeln. Vermutlich zahlt ihr dafür etwas mehr als beim billigsten Online-Händler, aber wenn ihr dadurch einen Fehlkauf vermeidet, ist es das wert. Die Freude an der Fotografie soll ja viele Jahre anhalten.

Meine Empfehlungen, wenn ihr auf der Suche nach einer Kamera seid, sind daher:

Überlegt euch, was ihr mit der Kamera hauptsächlich fotografieren wollt: Urlaubserinnerungen, Landschaften, Portraits, Sport, Tiere, Gebäude, ...

Wollt ihr auch mal Videoclips machen? Dann sollte die Videofunktion einfach erreichbar sein.

Macht ihr häufig Schnappschüsse? Dann muss die Kamera einen schnellen Autofokus haben.

Macht ihr häufiger Serienbilder? Dann ist die Serienbildgeschwindigkeit ein Kriterium (der schnelle Autofokus sowieso). Das gilt z. B. für die Sport-Fotografie oder "Wildlife" (Vögel im Flug).

Soll die Kamera einen Sucher haben oder kommt ihr mit dem Monitor zurecht? Elektronische Sucher sind mittlerweile recht gut, verbrauchen aber zusätzlich Strom. Ein Monitorbild ist bei Sonneneinstrahlung schlecht zu sehen.

Genügt ein einfacher Sucher oder benötigt ihr Zusatzinformationen, Hilfslinien, Wasserwaage usw.?

Wird sie vorwiegend im Studio eingesetzt, in Innenräumen oder draußen bei Wind und Wetter?

Ist ein eingebauter Blitz wichtig oder habt ihr ohnehin einen "richtigen" Blitz dabei? Die eingebauten sind praktisch, haben aber vergleichsweise geringe Leistungen.

Eine wichtige Frage fehlt noch: die nach dem Sensor-Format. Die meisten werden sich schon aus Kostengründen wohl für eine Kamera mit APS bzw. APS-C-Chip entscheiden. Der ist etwa halb so groß wie der berühmte "Vollformat"-Sensor, der es auf die Größe eines Kleinbild-Dias bringt. Daneben gibt es noch die "Micro Four Thirds" mit dem Bildformat 4:3. Die kleineren Sensoren sind günstiger, dafür optimierte Objektive sind kompakter. Wer Vollformat möchte, landet automatisch in der Profiliga, wenngleich es auch dort inzwischen günstigere Einsteigermodelle gibt.

 

Diese Fragen sollte ein guter Fachhändler auch stellen und euch entsprechend leiten. Die richtige Kamera müsst ihr aus der sich ergebenden Auswahl selber herausfinden. Wichtig ist, dass ihr euch damit wohlfühlt, denn nur so könnt ihr euch auf das wesentliche, nämlich das Fotografieren, konzentrieren. Von der häufig praktizierten Idee, sich zunächst beraten zu lassen und dann auf einer Internet-Platform günstiger zu kaufen, halte ich persönlich übrigens gar nichts. das ist eigentlich Betrug am Händler.

Vergesst die einschlägigen Internet-Foren! Sachliche Diskussionen sind in Deutschland kaum noch möglich, sie arten oft in Glaubenskriege aus. Aussagen wie "die Kamera ABC ist die beste" (weil ich so eine habe) oder "wer eine XYZ-Kamera kauft, ist schön blöd" sind nicht hilfreich. Das wichtigste Element für ein gutes Foto befindet sich immer noch hinter dem Sucher - das ist der Fotograf. Alles andere sind Werkzeuge, die helfen sollen. Nicht jedes werkzeug ist für jeden Anwender gleich gut geeignet.
Gebt Sie nicht zu viel auf Testberichte oder beachtet nur den allgemeinen Teil wie die Handhabung und Robustheit. Die technischen Unterschiede zwischen den Marken sind meistens so gering, dass sie nur messtechnisch nachweisbar sind, aber in der Praxis keine Bedeutung haben. Wichtiger ist, dass die Kamera zur geplanten vorwiegenden Anwendung passt, dass der Auslöser dort sitzt, wo der Zeigefinger landet, das sich die Blende, Verschlusszeit oder der ISO-Wert schnell und einfach einstellen lassen, ohne dass man in Menüs suchen muss.

Es gibt gelegentlich "Testberichte" von Leuten, die sich berufen fühlen, eine Kamera zu beurteilen, ohne sie jemals in der Hand gehabt zu haben oder sogar noch bevor sie im Handel erhältlich ist. Sowas zu lesen ist Zeitverschwendung.
Es gibt nicht die beste Kamera oder die eine, die für alle Anwendungen optimal ist. Auch der Preis ist nicht immer aussagekräftig. Ein höherer Preis besagt oft, dass die Kamera mehr Möglichkeiten bietet, das wichtigste Element für ein gutes Foto ist aber immer noch  der Fotograf. Wird das Motiv nicht richtig in Szene gesetzt, dann nützt auch die 6000€-Kamera nichts und wird nur zu Enttäuschungen führen.
Einsteigermodelle haben oft die gleichen Bildsensoren wie die teureren Modelle, bieten aber meistens weniger Ausstattung und "Features". So muss man dann häufig Abstriche beim Autofokus-System, der Belichtungsmessung, der Geschwindigkeit oder dem Sucher machen. Die Bedienung erfolgt mehr über Menüs als über Tasten. Überlegt euch, was euch hier wichtig ist. Oft gilt hier die alte Weisheit "du bekommst, wofür du bezahlst".
Wenn ihr euch sicher seid, dass ihr in diesem Bereich der Fototechnik bleiben und etwas mehr als bur gelegentlich "knipsen" wollt, dann solltet ihr euch überlegen, gleich eine Kamera aus der nächsthöheren Klasse zu wählen. Das ist günstiger, als nach kurzer Zeit umzusteigen, wenn sich die "Kleine" als zu begrenzt in ihren Möglichkeiten erweist.
Als engagierter Fotografen werdet ihr vermutlich eure Aufnahmen am PC ein wenig nacharbeiten. Das ist ist nicht verwerflich, sondern holt oft noch ein bischen mehr aus den Bildern heraus. In diesem Fall benötigt ihr keine Unmenge an Programmfunktionen in der Kamera, die für bestimmte Aufnahmesituationen gedacht sind. Das lässt sich per Nacharbeit meistens besser erledigen, ihr habt die Kontrolle darüber und lauft nicht Gefahr, zu vergessen, von einer speziellen Einstellung wieder zum Standard zurückzustellen. Wenn ihr zudem normalerweise RAW-Aufnahmen macht, sind Programmautomatiken ohnehin sinnlos und somit kein Kaufargument.

Lasst euch nicht von hohen Pixel- oder ISO-Zahlen blenden! Die meisten bezahlbaren Objektive, vor allem für APS, können die Sensoren nicht annähernd ausreizen. Und bei ISO-werten über 100000 ist die Bildqualität meistens grottenschlecht.

Es gibt also keine eindeutige Aussage, aber viel zu überlegen. Doch wenn ihr dann eine Kamera findet, die zu euch und euren Anforderungen passt, dann werdet ihr damit viel Spaß haben.

Da es bei den Sensoren keine allzu großen Unterschiede mehr gibt, ist für die Bildqualität auch das eingesetzte Objektiv von großer Bedeutung. Glücklicherweise gibt es kaum noch richtig schlechte Linsen, doch es gibt z. B. Unterschiede in der Verarbeitung und Ausstattung. Man kann als Hersteller beim Autofokus-Antrieb sparen, den Bildstabilisator weglassen und mehr Kunststoff einsetzen. Profilinsen sind im allgemeinen robuster gebaut und besser gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Die meist etwas bessere Bildqualität könnt ihr an einer APS- oder Crop-Kamera allerdings kaum ausnutzen, das gute Stück ist mit der hohen Pixeldichte des kleinen Sensors überfordert.. Ein Profi-Objektiv macht für eine solche Kamera nur dann Sinn, wenn ihr es unter rauhen Bedingungen einsetzen wollt, es für die gewünschte Brennweite keine Alternative gibt oder ihr später einmal auf Vollformat umsteigen wollt.

Viele Kameras werden als "Kit" angeboten, d. h. als Set mit einem universell einsetzbaren Objektiv. Dabei kann man etwas sparen. Manchmal gibt es auch verschiedene Kombinationen zur Auswahl oder man kann mit dem Händler ein Paket schnüren. Die Kit-Objektive sind in Qualität und Preislage in etwa an die Kamera angepasst. Bei einigen Angeboten einiger Elektromärkte muss man zweimal hinsehen. Hier kann es auch mal spezielle Varianten eines Objektivs geben, die so nicht im Fachhandel zu haben sind und an denen gegenüber der Serie etwas abgespeckt wurde.

Was ist wichtig bei einem Objektiv? Auch hier empfehle ich zunächst einmal: Fasst es an, probiert es aus. Seid ihr mit dem Bild zufrieden? Ist der Autofokus flott und treffsicher? Klappert und wackelt nichts? Sind Zoom- und Fokusringe nicht zu lose oder hakelig? Wie fühlt es sich an - ist es gut haltbar und bedienbar? Ist es zu schwer? Wie steht es mit Garantie, Gegenlichtblende und dergleichen?
Vorsicht mit Testcharts: Testcharts oder spezielle Testbilder werden gerne aufgenommen, um Objektive zu vergleichen. Eigentlich eine gute Sache, da die Bedingungen immer gleich sind. Es gibt aber eines zu beachten: Solche Testbilder werden üblicherweise aus kurzer Distanz aufgenommen. Die Eigenschaften des Objektivs sollten zwar über den gesamten Entfernungsbereich vom Mindestabstand bis Unendlich ziemlich gleich bleiben, aber es gibt keine Garantie dafür. Ein Beispiel ist das EF 70-300mm f/4-5.6 IS II USM von Canon, dass Ende 2016 auf den Markt kam. Es wurde in einigen Testberichten abgewertet, weil es "am kurzen Ende", von 70mm bis etwa 100mm, zum Rand hin einen deutlichen Schärfeabfall zeigt. Das ist auf Testbildern klar zu sehen. Gleichzeitig erschienen Berichte von Fotografen, die das Objektiv im praktischen Einsatz getestet hatten und ihm eine sehr gute Leistung bescheinigten. Wie kann das sein? Die Linse zeigt im Nahbereich tatsächlich eine Schwäche, die aber schon bei mittlerer Entfernung verschwindet und in der Nähe von Unendlich praktisch nicht mehr sichtbar ist. Testcharts bilden also nicht unvedingt die Wirklichkeit ab und sollten deshalb nicht das alleinige Kriterium sein.

Zoom oder Festbrennweite? Lange galten Zoomobjektive, also solche mit veränderbarer Brennweite, als qualitativ schlecht. Tatsächlich ist eine gut konstruierte Festbrennweite einem Zoom in der Bildqualität prinzipbedingt immer überlegen. Allerdings haben die Zooms mittlerweile stark aufgeholt und sind oft so gut, dass der Unterschied kaum noch auffällt und sie auch profitauglich sind. Kits werden meistens mit einem Standard-Zoom ausgestattet und viele Fotofreunde sind damit lange zufrieden. Ein Fotograf, der auch Kurse gibt, gab aber mal diesen Tipp: Wenn ihr fotografieren lernen wollt, dann fangt mit einer (evtl. zwei) Festbrennweite an. Dadurch seid ihr gezwungen, euch intensiver mit dem Motiv zu beschäftigen und euch den Bildaufbau zu erarbeiten.
In der Tat lässt sich der überwiegende teil der Aufnahmen mit einer Standardbrennweite machen. Ich habe in meiner Anfangszeit lange nur mit einem 50mm-Objektiv fotografiert. Das war der Standard für Kleinbild, heute Vollformat. An Crop-Kameras entspricht das etwa 31-33mm. Das genügte für mindestens 80% der Fälle. Später kam ein 28mm Weitwinkel hinzu.
Viele Anwender sind glücklich mit einem Super-Zoom (von engagierten Fotografen gerne als "Suppenzoom" verspottet, von den Herstellern freundlich als "Reisezoom" bezeichnet), das vom guten Weitwinkel bis zum kräftigen Tele alles abdeckt. Das ist praktisch und hat seine Berechtigung, wenn die Umstände einen Objektivwechsel nicht zulassen oder Platz und Gewicht gespart werden muss. Ihr müsst euch aber darüber im Klaren sein, dass die Konstrukteure umso größere Kompromisse eingehen müssen, je größer der Zoombereich ist (das Verhältnis von maximaler zu minimaler Brennweite). Das schlägt sich natürlich in der optischen Leistung nieder. Ich halte deshalb eine Aufteilung in mehrere Brennweitenbereiche für sinnvoller. Und der Sinn und Vorteil einer Systemkamera liegt ja gerade darin, dass man die Optik der Anforderung entsprechend wechseln kann.

Es ist also doch einiges an Überlegungen und Vorbereitungen notwendig, bevor ihr die ersten tollen Fotos schießen könnt. Aber es ist besser, sich damit zu befassen, als nachher enttäuscht zu sein. Ihr geht ja auch nicht auf eine Wanderung durch die Wildnis ohne passende Ausrüstung und gute, bequeme Schuhe, oder?

 

Der Megapixel-Wahn

Drucken Drucken

Wieviele Pixel braucht der Fotograf? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Für die Einen genügt ein Minimum, für die Anderen kann es nicht genug sein. So sind einige mit einer Auflösung von 2 Megapixeln (= MP) zufrieden, weil sie die Fotos nur auf dem Kamera-Display, dem Smartphone oder maximal auf dem Fernseher ansehen. Ein Fernseher mit Full-HD hat ca. 2MP. Das spart nicht nur bei der Kamera, sondern auch bei den Speichermedien. Wozu braucht man mehr?

APS oder Vollformat? Ein Erfahrungsbericht

Drucken Drucken

Wie viele andere, die sich etwas intensiver mit dem Hobby Fotografie beschäftigen, stand auch ich eines Tages vor der Frage, ob ich auf eine Kamera mit Vollformat-Sensor umsteigen sollte. Ich bin erst 2010, also relativ spät, in die digitale Fotografie eingestiegen und habe mir damals eine Kamera mit APS-Sensor gekauft (genauer APS-C, da von Canon). Vollformat schien mir noch übertrieben, die Preise waren sehr hoch und die Kameras boten nicht alle Features, die ich suchte. Gute sechs Jahre lang war ich mit der EOS 7D sehr zufrieden, dennoch kam gelegentlich die Frage auf, ob es nicht noch besser geht.