Die kleine Fotoecke

Ein paar Gedanken zum Hobby Fotografie


Regensburg, Juli 2017

Dieser Blog war nicht geplant, aber nachdem ich mich auf der Suche nach einer neuen Kamera ein wenig in Netz umgesehen habe und dabei feststellte, dass es viele widersprüchliche Meinungen gibt und sogar bei einigen Berufsfotografen teilweise falsche Informationen zu finden sind, habe ich mich entschlossen, ein paar eigene Erfahrungen beizusteuern. Ich versuche dabei, markenneutral zu sein. An den Gleubenskriegen zwischen den Anhängern bestimmter Hersteller möchte ich mich nicht beteiligen. Ich bin sicher, dass man mit Kameras aller Hersteller gute Fotos machen kann, denn die Technik unterscheidet sich nichht gravierend und es kommt vor allem auf den Fotografen an.
Spezielle Abhandlungen zur Technik sind nicht geplant, dazu gibt es in den unendlichen Weiten des WWW oder in einigen guten Büchern genug Material.

 

Welche Kamera soll ich kaufen?

Veröffentlicht: Samstag, 14. Januar 2017 12:54 Drucken E-Mail

Ein Blick in die einschlägigen Foren zeigt, dass dies eine oft gestellt Frage ist und das hier viel Verunsicherung herrscht. Das Angebot ist groß, die Preisspannen auch.

Ich habe mich erst relativ spät, nämlich 2010, für den Umstieg auf die digitale Technik entschieden. Es wurde eine Spiegelreflex-Kamera, was vor allem daran lag, dass ich vorher fast 40 Jahre lang mit einer solchen gearbeitet hatte. Es war also Gewohnheit und der Wunsch, etwas "Richtiges" in der Hand zu halten. Mit den kleinen Knöpfchen an den Kompakt-Kameras shatte ich so meine Schwierigkeiten. Die Anforderungen waren zunächst klar: Sie sollte handlich und leicht sein, also für Reisen geeignet, und eine brauchbare Videofunktion besitzen, da ich nicht mehr mit zwei Kameras herumlaufen wollte. Nach dem Studium verschiedener Fachzeitschriften, Internetbeiträge und Testberichte hatte ich zwar eine Präferenz, war aber nicht ganz sicher und ging ein Fachgeschäft. Dort konnte ich mehrere verschiedene Modelle von verschiedenen Herstellern ausprobieren. Die ursprünglich angedachte, kompakte Kamera war dann schnell aus dem Rennen. Sie ließ einfach nicht so gut halten, die Auswahl an Wechselobjektiven war klein und die Bedienung war teilweise umständlich. Ich habe mich dann für eine Kamera entschieden, die etwas größer und deutlich schwerer war, aber gut in der Hand lag und bei der alle wichtigen Funktionen schnell und einfach erreichbar waren. Das war mir wichtiger als technische Daten oder eine bestimmte Marke.

Meine Empfehlungen, wenn Sie auf der Suche nach einer Kamera sind, sind daher:

Überlegen Sie sich, was Sie mit der Kamera hauptsächlich fotografieren wollen: Urlaubserinnerungen, Landschaften, Portraits, Sport, Tiere, Gebäude, ...

Soll sie in die Hosentasche passen oder ist das nicht wichtig?

Genügt ein fest eingebautes Objektiv oder soll es auswechselbar sein? Zusätzliche Objektive verursachen Folgekosten.

Wollen Sie die Videofunktion nutzen? Die sollte dann einfach erreichbar sein.

Müssen Sie häufig Schnappschüsse machen, bei denen der Fokus schnell sitzen muss? Dann brauchen Sie einen schnellen Autofokus.

Machen Sie häufiger Serienbilder? Dann ist die Serienbildgeschwindigkeit ein Kriterium (der schnelle Autofokus sowieso).

Soll die Kamera einen Sucher haben oder kommen Sie mit dem Monitor zurecht? Elektronische Sucher sind mittlerweile recht gut, verbrauchen aber zusätzlich Strom.

Genügt ein einfacher Sucher oder benötigen Sie Zusatzinformationen, Hilfslinien, Wasserwaage usw.?

Wird sie vorwiegend im Studio eingesetzt, in Innenräumen oder draußen bei Wind und Wetter?

Ist ein eingebauter Blitz wichtig oder haben Sie ohnehin einen "richtigen" Blitz dabei? Die eingebauten sind praktisch, haben aber vergleichsweise geringe Leistungen.

Versuchen Sie, einen guten Fachhändler zu finden, die Sie neutral berät. Sie zahlen vielleicht etwas mehr als im Versandhandel, aber gerade bei hochwertigeren Systemen sollte einem die zusätzliche Dienstleistung der Beratung etwas wert sein. Sie bekommen garantiert Neuware, haben eine direkten Ansprechpartner, falls es mal ein Problem gibt (Garantie) und können auch nachher noch Hilfe bekommen. Von der häufig praktizierten Idee, sich zunächst beraten zu lassen und dann auf einer Internet-Platform günstiger zu kaufen, halte ich persönlich übrigens gar nichts. das ist eigentlich Betrug am Händler.
Geben Sie nicht zu viel auf Testberichte oder beachten Sie nur den allgemeinen Teil wie die Handhabung und Robustheit. Die technischen Unterschiede zwischen den Marken sind meistens so gering, dass sie nur messtechnisch nachweisbar sind, aber in der Praxis keine Bedeutung haben. Wichtiger ist, dass die Kamera zur geplanten vorwiegenden Anwendung passt, dass der Auslöser dort sitzt, wo der Zeigefinger landet, das sich die Blende, Verschlusszeit oder der ISO-wert schnell verstellen lassen, ohne dass man in Menüs suchen muss.
Es gibt nicht die beste Kamera oder die eine, die für alle Anwendungen optimal ist. Auch der Preis ist nicht immer aussagekräftig. Ein höherer Preis besagt oft, dass die Kamera mehr Möglichkeiten bietet, das wichtigste Element für ein gutes Foto ist aber immer noch  der Fotograf. Wird das Motiv nicht richtig in Szene gesetzt, dann nützt auch die 6000€-Kamera nichts und wird nur zu Enttäuschungen führen. Einsteigermodelle haben oft die gleichen Bildsensoren wie die teureren Modelle, bieten aber meistens weniger Ausstattung und "Features". So muss man dann häufig Abstriche beim Autofokus-System, der Belichtungsmessung, der Geschwindigkeit oder dem Sucher machen. Die Bedienung erfolgt mehr über Menüs als über Tasten. Überlegen Sie sich, was Ihnen hier wichtig ist.
Als engagierter Fotograf werden Sie vermutlich ihre Aufnahmen am PC ein wenig nacharbeiten. Das ist ist nicht verwerflich, sondern holt oft noch ein bischen mehr aus den Bildern heraus. In diesem Fall benötigen Sie keine Unmenge an Programmfunktionen in der Kamera, die für bestimmte Aufnahmesituationen gedacht sind. Das lässt sich per Nacharbeit meistens besser erledigen, Sie haben die Kontrolle darüber und laufen nicht Gefahr, zu vergessen, von einer speziellen Einstellung wieder zum Standard zurückzustellen. Wenn Sie zudem normalerweise RAW-Aufnahmen machen, sind Programme ohnehin sinnlos und somit kein Kaufargument.

Es gibt also keine eindeutige Aussage, aber viel zu überlegen. Doch wenn Sie dann eine Kamera finden, die zu Ihnen und Ihren Anforderungen passt, dann werden Sie damit viel Spaß haben.

 

Der Megapixel-Wahn

Veröffentlicht: Donnerstag, 12. Januar 2017 17:34 Drucken E-Mail

Wieviele Pixel braucht der Fotograf? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Für die Einen genügt ein Minimum, für die Anderen kann es nicht genug sein. So sind einige mit einer Auflösung von 2 Megapixeln (= MP) zufrieden, weil sie die Fotos nur auf dem Kamera-Display, dem Smartphone oder maximal auf dem Fernseher ansehen. Ein Fenrseher mit Full-HD hat ca. 2MP. Das spaer nicht nur bei der Kamera, sondern auch bei den Speichermedien. Wozu braucht man mehr? Für kurze Zeit schien es, als sei das Pixel-Wettrennen zum Stillstand gekommen. Doch der Wettlauf geht wieder weiter: 30, 40, 50, gar 70 Megapixel... Die Kunden lassen sich mit immer mehr Auflösung ködern und so mancher Fotograf bewertet eine Kamera offenbar danach, wie viele Pixel es pro Euro gibt.
Für einen Ausdruck eines Fotos sind die Ansprüche an die AUflösung höher. Für eine ordentliche Qualität benötigt man etwa 300dpi (dots per inch = Punkte pro Zoll, = 118 Punkte pro cm), für beste Qualität das Doppelte. Damit wird die Auflösungsgrenze des menschlichen Auges erreicht (viele brauchen da schon eine Lupe). Das heißt dann natürlich, dass die Auflösung des Fotos um so höher sein muss, je größer der Ausdruck werden soll. Für einen Druck im klassischen 10x15cm-Format kommt man also mit 2-4MP aus, für ein kleines Poster von 20x30cm (etwa DIN A4) wird die vierfache Pixelzahl benötigt. Große Poster oder Plakate wird man sicher meistens aus größerem Abstand betrachten, so dass eine gewisse Verpixelung nicht auffällt. Etwas Ähnliches gab es ja auch schon in der analogen Zeit, nämlich das Filmkorn, das mit zunehmender Vergrößerung immer deutlicher sichtbar wurde. Daher braucht man für größere Poster kaum mehr Pixel.

Die Vorteile großer Pixelzahlen:

> Mehr Schärfe und mehr Details, vorausgesetzt, man benutzt ein gutes Objektiv.

> Größere Maße für Ausdrucke und Poster möglich, ohne das Pixel sichtbar werden.

> Mehr Reserven bei der Nachbearbeitung, z. B. Ausschnittvergrößerung und Ausschnittkorrektur.

> Mehr Prestige wink


Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Hohe Megapixel-Zahlen bringen auch Nachteile:

> Eine große Pixelzahl bedeutet auch eine hohe Pixeldichte auf dem Bildsensor, denn die Baugrößen bleiben gleich. Eine höhere Pixeldichte bedeutet, dass das einzelne Fotoelement auf dem Sensor kleiner werden muss und damit weniger lichtempfindlich wird. Das führt bei höheren ISO-Zahlen zu verstärktem Bildrauschen.

> Je kleiner die Pixel sind, desto anfälliger wird die Kamera für Beugungsunschärfen und Farbsäume. Die entstehen bei kleinen Blendenöffnungen, d. h. man kann weniger stark abblenden, bis die Schärfeverluste einsetzen.

> Je kleiner die Pixel im Verhältnis zur Sensorgröße sind, desto empfindlicher wird die Kamera für Verwacklungen. Das erfordert dann kürzere Belichtungszeiten oder ein Stativ.

> Die Datenmenge steigt an. Bei den heutigen Speicherpreisen ist das kein Thema mehr, aber wer Serienbilder in schneller Folge machen will, muss einerseits entsprechend schnelle Speicherkarten einsetzen und andererseits muss die Kamera das unterstützen. Auch die Bildbearbeitung wird träger.

> Was manchen Fotofreunden nicht klar ist: Auch Objektive haben eine begrenzte Auflösung. Es ist daher sinnlos, einen hochauflösenden Sensor zu verwenden, wenn die Linse nicht mithalten kann. Das heißt: Es werden entsprechend hochwertige Objektive fällig. Viele günstigere Objektive liegen mit ihren Auflösungen so um die 20MP, d. h. einen 35MP-Sensor können sie gar nicht ausreizen. dazu müssten man die teureren "Profilinsen" einsetzen, aber das Geld wollen die meisten Normalanwender nicht ausgeben. Und dann sind mehr Pixel sinnlos, statt dessen wären größere Pixel besser.

Was ist nun sinnvoll? Es kommt darauf an. Ich halte 20-30MP noch für sinnvoll für Vollformat-Sensoren, entsprechend weniger für kleinere Sensoren, für vollkommen ausreichend. Das gestattet dem Normalanwender den Einsatz bezahlbarer Objektive. Berufsfotografen, die auf große Ausgabeformate hinarbeiten, werden mehr Pixel gebrauchen können, wer dagegen seine Bilder nur auf dem Tablet ansieht, kommt mit der Hälfte aus. Mehr Pixel führen nicht unbedingt zu besseren Aufnahmen, sind aber ein gut funktionierendes Marketing-Instrument. Es ist zu hoffen, dass die Hersteller sich hier wieder etwas bremsen und ihre Energien an anderer Stelle sinnvoller einsetzen.
Es ist erst ein paar Jahre her, da war die Fotowelt begeistert von den Aufnahmen der ersten Kameras, die 10-12MP boten. Und das auch nur auf Vollformatsensoren. Ich habe vor kurzem die Kamera gewechselt und bin von 18MP auf 22MP "aufgestiegen". Das Plus an Auflösung erkennt man nur bei sehr genauem Hinsehen. Auf das Nachfolgenmodell mit über 30MP habe ich bewußt verzichtet, da für mich die Nachteile überwiegen.

 

APS oder Vollformat? Ein Erfahrungsbericht

Veröffentlicht: Samstag, 17. Dezember 2016 12:01 Drucken E-Mail

Wie viele andere, die sich etwas intensiver mit dem Hobby Fotografie beschäftigen, stand auch ich eines Tages vor der Frage, ob ich auf eine Kamera mit Vollformat-Sensor umsteigen sollte. Ich bin erst 2010, also relativ spät, in die digitale Fotografie eingestiegen und habe mir damals eine Kamera mit APS-Sensor gekauft (genauer APS-C, da von Canon). Vollformat schien mir noch übertrieben, die Preise waren sehr hoch und die Kameras boten nicht alle Features, die ich suchte. Gute sechs Jahre lang war ich mit der EOS 7D sehr zufrieden, dennoch kam gelegentlich die Frage auf, ob es nicht noch besser geht. Fotos von Mitreisenden z. B., die eine Vollformat-Kamera dabei hatten, erschienen mir ab und zu etwas schärfer und brillianter als meine eigenen, die unter gleichen Bedingungen entstanden waren. Hatte ich ungünstige Einstellungen gewählt oder lag es an der Kamera? Oder doch am Objektiv? Ich begann, im weltweiten Netz zu recherchieren, nach Erfahrungsberichten zu suchen und Testberichte zu lesen. Danach war ich kaum schlauer als vorher. Während einige Autoren von völlig neuen fotografischen Dimensionen schwärmten, die sich durch den großen Sensor eröffneten, sahen andere kaum einen Unterschied. So blieb mir nur der Gang zum Händler meines Vertrauens, um mich beraten zu lassen und die beiden Varianten direkt miteinander zu vergleichen. Ich hatte die EOS 5D Mark III ins Auge gefasst, da ich keinen Systemwechsel wollte. Sie ist der 7D von der Bedienung her sehr ähnlich und ich konnte einige Objektive behalten. Man ahnt es schon: Ja, ich habe sie dann mitgenommen.

Der ganz große "Wow-Effekt", von dem einige Anwender berichten, ist bei mir allerdings ausgeblieben. Sowohl im Geschäft als auch bei späteren Vergleichen konnte ich keine dramatischen Unterschiede in der Bildqualität feststellen. Das mag auch mit daran liegen, dass die 7D schon recht gut ist, jedenfalls besser, als sie von einigen "Testern" dargestellt wurde. "Die Neue" bietet einen etwas größeren Dynamikumfang, sie holt vor allem in den hellen Bereichen ein bißchen mehr Zeichnung heraus und sie rauscht bei hohen ISO-Zahlen weniger. Zudem ist das Sucherbild einen Tick größer. Welten liegen aber nicht zwischen den beiden Modellen. Das die Farben wesentlich brillianter und knackiger wären, kann ich so nicht bestätigen. Der Unterchied ist gering und warum sollte er auch groß sein? Die Kamera soll die Farben so wiedergeben, wie sie sind.
Was hat mich dann bewogen, die Investition dennoch zu tätigen?

Es gibt trotzdem ein paar wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Sensortypen. (Wenn ich von APS spreche, meine ich allgemein die Bildsensoren im Format von ca. 15 x 22mm unabhängig von einer Marke. Bei APS-C steht das C für Canon, deren Sensoren geringfügig andere Maße haben als die von Nikon oder Sony.)
"Vollformat" klingt gut und erweckt den Eindruck, alles darunter wäre nur etwas Halbes oder weniger. Dabei entspricht der große Sensor mit seinen 24x36mm genau dem, was man zur Zeit der analogen Fotografie als "Kleinbild" bezeichnete. Und da gab es auch noch größere Filmformate, etwa 60x60 oder 60x90mm. Vollformat sagt also lediglich aus, dass dieser Sensor dieselbe Größe hat wie ein damals üblicher Kleinbildfilm. Das bedeutet auch, dass man mit diesem Sensor bei gleicher Brennweite denselben Bildausschnitt bekommt wie mit der guten alten analogen KB-Kamera. Tatsächlich lassen sich auch einige alte Objektive an den neuen Kameras weiter einsetzen. Der APS-Sensor ist dagegen knapp halb so groß.
Kurz gefasst spricht für das Vollformat:

  • Größeres und helleres Sucherbild
  • Mehr Freiheiten beim Gestalten (Tiefenschärfe)
  • Höherer Dynamikumfang
  • Geringere Empfindlichkeit für Beugungsunschärfe
  • Weniger Rauschen bei schlechten Lichtverhältnissen
  • Mehr Spielraum im Weitwinkelbereich

Für einen APS-Sensor spricht:

  • Kameras und Objektive sind meistens etwas kleiner und leichter
  • Deutlich niedrigerer Preis
  • Durch den Crop-Faktor Vorteile im Tele-Bereich

Wie bereits erwähnt, sind die Unterschiede nicht gravierend. Es hängt auch davon ab, von welcher Kamera bzw. von welchen technischen Stand man kommt. Mit der 7D mit APS war ich sehr zufrieden, mit der 5D mit VF bin ich noch etwas zufriedener. Sie ist nicht wesentlich besser, doch ich habe den Kauf nicht bereut. Auf der ersten Reise, die sie mitmachte, hat sie sich sehr gut bewährt. Ic habe weniger häufig das Standard-Objektiv (24-70mm) wechseln müssen, weil der untere Brennweitenbereich besser abgedeckt ist.
Den Sweet Spot vermisse ich nicht, die Objektivfehler lassen sich leicht bei der Nachbearbeitung oder schon in der kamera herausrechnen.

Eine eindeutige Antwort auf die Frage "APS oder Vollformat" gibt es nicht. Die Technik hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt, so dass die sichtbaren Unterschiede zwischen den Systemen kleiner wurden. Technisch bedingt hat das Vollformat natürlich immer einen Vorteil, aber wer nicht unbedingt das letzte bißchen Qualität herauskitzeln muss, kann sicher mit APS gut leben. Wer viel mit Weitwinkel oder bei schlechtem Licht arbeitet, ist mit Vollformat besser bedient, ebenso, wer das größere Freistellungspotenzial nutzt (z. B. für Portraits). Wer eine ältere APS-Kamera besitzt, wird einen größeren Unterschied bemerken als einer, der eine Kamera der neuesten Generation besitzt. Wer sich für Vollformat interessiert, sollte sich über seine Vorlieben klar werden und es dann einmal ausprobieren. Um die Möglichkeiten, die der große Sensor bietet, wirklich auszuschöpfen, muss man die Aufnahmen nachher selber bearbeiten. Deshalb fotografiere ich inzwischen fast nur noch im Raw-Format. Wer mit den JPRGs aus der kamera zufrieden ist und sie ohne weitere Bearbeitung nur am Fernseher ansieht, für den genügt APS.
Eine Vollformat-Kamera macht nicht automatisch bessere Bilder. Das wichtigste Element befindet sich immer noch hinter dem Sucher: Der Fotograf. Aber vielleicht ist etwas dran an dem Satz, den ich in einem Foto-Forum fand: Wenn man mit einer Vollformat-Kamera bessere Aufnahmen macht, liegt das vielleicht einfach nur daran, dass man sich mit einer teureren Ausrüstung auch mehr Mühe gibt.
 

Vollformat = Profi?

Oft wird erzählt, Vollformat wäre nur etwas für Profi-Fotografen. Das ist nur teilweise richtig. Wer sich in Netz mal genauer umsieht, wird feststellen, dass viele Berufsfotografen und Bildjournalisten mit dem kleineren und kostengünstigeren APS-Format arbeiten. Viele von ihnen verdienen kaum das Nötigste zum Leben und verzichten auf die teurere Kamera oder investieren das Geld lieber in gute Objektive. Das Vollformat wird von Spezialisten bevorzugt, deren Abzüge auf Poster- oder Plakatgröße gebracht werden, von engagierten Hobbyfotografen (auch solchen, die für Profis gehalten werden möchten) oder von Event-Fotografen (z. B. Hochzeit), die das in den Augen der Auftraggeber hohe Honorar durch eine teure Ausrüstung rechtfertigen müssen. Oft bieten die Profikameras auch noch zusätzliche Ausstattungsmerkmale, die bei den günstigeren Modellen fehlen. Die sind aber meistens nur für bestimmten Situationen interessant und im Alltag verzichtbar.

Die scheinbare Brennweitenverlängerung

Gerne wird, slebst von Profis, bei APS von einer "Brennweitenverlängerung" gesprochen. Damit ist der Effekt gemeint, der entsteht, wenn man ein Objektiv von einer VF-Kamera auf eine APS-Kamera setzt: Das Motiv wird größer, der Bildausschnitt kleiner, so als hätte man eine größere Brennweite. Das ist natürlich nicht der Fall, denn die Brennweite wird durch die Linden des Objektivs festgelegt.
Die Diagonale und damit der Bildkreis-Durchmesser des Vollformat-Sensors ist etwa 1,5mal (bei Canon 1,6mal) größer als die des APS-Sensors. Ein Objektiv, das für einen großen Sensor gedacht ist, muss dessen Bildkreis ausleuchten. Ein kleinerer Sensor sieht dagegen nur den inneren Bereich der Bildfläche. Was darübe rhinaus ragt, wird abgeschnitten (daher auch der Begriff Crop-Faktor von to crop = abschneiden). Der kleinere Sensor macht also eine Ausschnittvergrößerung aus dem Bild, die wie eine vergrößerte Brennweite wirkt. Das kann durchaus vorteilhaft sein: Ein 200mm-Tele an APS erzielt die gleiche Bildwirkung wie ein weniger handliches 300mm-Tele an VF. Denselben Effekt gibt es natürlich auch im weitwinkelbereich und hier ist er eher störend. Ein starker Weitwinkel an VF wird an APS in einen leichten Weitwinkel oder auch in den Normalbereich verschoben. Wer mit starken WW arbeiten möchte, muss dann nach sehr kurzen Brennweiten suchen.

Mythos Sweet Spot

Befürworter des APS-Sensors argumentieren gerne mit dem "Sweet Spot" als großen Vorteil des kleineren Formats. Wie oben geschildert, sieht der APS-Sensor nur einen Ausschnitt aus dem Bild. Üblicherweise haben Objektive ihre beste Leistung was Schärfe, Farbsäume odr Vignettierung betrifft, in der Nähe der Bildmitte. Bildfehler und Abschattung nehmen zum Rand hin zu. Der kleinere Sensor bekommt also die Problemzonen nicht zu sehen. Ein Vorteil gegenüber Vollformat? Nur bedingt. Das trifft dann zu, wenn man ein Objektiv hat, das für VF berechnet ist, da dieses dann eine entsprechend große Bildfläche bietet. Bei Objektiven, die konsequent für APS konstruiert wurden, damit sie kompakter, leichter und günstiger werden können, gibt es keinen Sweet Spot. Man kann das ausprobieren, indem man ein APS-Objektiv auf eine VF-Kamera schraubt (bei Nikon z. B. geht das mit einigen Modellen, bei Canon nicht). Dann sieht man ein kreisrundes Bild in der Mitte, der große Sensor wird nicht vollständig ausgeleuchtet. Wer wirklich vom Sweet Spot profitieren will, muss also doch die größeren VF-Objektive kaufen. Und auch hier gibt es noch etwas zu beachten: Die Ausschnittvergrößerung, die der APS-Sensor vornimmt, führt auch zu einer Vergrößerung der Bildfehler, die das Objektiv mitbringt. Bei vergleichbarer Pixel-Zahl stellt ein APS-Sensor höhere Ansprüche an ein Objektiv als ein VF-Sensor.

Lichtempfindlichkeit und Rauschen

Bei annähernd gleicher Pixel-Zahl haben die Pixel eines VF-Sensors eine etwa doppelt so große Fläche wie die des APS-Chips. Sie bekommen also doppelt so Licht und somit muss die nachgeschaltete Elektronik weniger stark eingreifen. Dadurch wird das Bildrauschen reduziert, was sich vor allem bei hohen ISO-Werten bemerkbar macht. Hier haben die großen Sensoren prinzipbedingt immer einen Vorteil. Allerdings wird dieser oft überschätzt, denn er macht nur gut eine ISO-Stufe aus. Was darüber hinausgeht, wird durch bessere Bauteile oder eine bessere Rauschunterdrückung erreicht.

Die Tiefenschärfe

Hier scheiden sich die Geister wieder einmal. Dadurch, dass die APS-Kamera, um den selben Blickwinkel zu bekommen, mit kürzeren Brennweiten arbeitet, ergibt sich naturgemäß eine etwas größere Tiefenschärfe. Das macht ungefähr eine Blendenstufe aus. Das bedeutet, dass die VF-Kamera ihren Vorteil der höheren Empfindlichkeit wieder abgibt, weil sie für die gleiche Schärfewirkung eben um eine Stufe abblenden muss. Andersherum ist aber die größere Tiefenschärfe von Nachteil, wenn es darum geht, ein hauptmotiv freizustellen, d. h. den Hintergrund unscharf abzubilden. Da muss die APS-Kamera weiter aufblenden und kann an die Grenze des Objektivs stoßen. Zudem liefern die meisten Objektive ihre beste Leistung im mittleren Blendenbereichab.

Förderliche Blende und Beugungsunschärfe

Weniger bekannt als die anderen Dinge ist die "föderliche Blende". Damit wird der Blendenwert bezeichnet, von dem an bei weiteren Abblenden die Schärfe nachlässt. Wer sich an seinen Physik-Unterricht erinnert, dem ist vielleicht noch bekannt, dass Licht nicht nur in Prismen, sondern auch an Kanten gebeugt wird. Das hat zur Folge, dass ein Lichtstrahl, wenn er eine Kante passiert, abgelenkt und aufgefächert wird. Damit wird eine Abbildung unschärfer, wenn die Blende weiter geschlossen wird, obwohl nach der Theorie die Schärfeleistung zunehmen sollte.
Die Beugungsunschärfe hängt von der Blende ab, die Empfindlichkeit dafür hängt von der Pixelgröße ab. Da die APS-Zellen nun einmal kleiner sind (bei gleicher Pixelzahl), liegt auch der kritische Blendenwert niedriger. Je mehr Pixel sich im kritischen Unschärfebereich befinden, desto geringer ist der Schärfeeindruck. Hier ist Vollformat wieder im Vorteil. Für die förderliche Blende gibt es im Internet Online-Rechner, bei denen man die Pixelgröße und Anzahl eingibt. Über den Daumen kann man sagen: APS Blenden 6-8, VF Blenden 9-12, VF hat etwa 1-2 Blendenstufen Vorsprung.