Ein Blick in die einschlägigen Foren zeigt, dass dies eine oft gestellt Frage ist und das hier viel Verunsicherung herrscht. Das Angebot ist groß, die Preisspannen auch.

Ich habe mich erst relativ spät, nämlich 2010, für den Umstieg auf die digitale Technik entschieden. Es wurde eine Spiegelreflex-Kamera, was vor allem daran lag, dass ich vorher fast 40 Jahre lang mit einer solchen gearbeitet hatte. Es war also Gewohnheit und der Wunsch, etwas "Richtiges" in der Hand zu halten. Mit den kleinen Knöpfchen an den Kompakt-Kameras shatte ich so meine Schwierigkeiten. Die Anforderungen waren zunächst klar: Sie sollte handlich und leicht sein, also für Reisen geeignet, und eine brauchbare Videofunktion besitzen, da ich nicht mehr mit zwei Kameras herumlaufen wollte. Nach dem Studium verschiedener Fachzeitschriften, Internetbeiträge und Testberichte hatte ich zwar eine Präferenz, war aber nicht ganz sicher und ging ein Fachgeschäft. Dort konnte ich mehrere verschiedene Modelle von verschiedenen Herstellern ausprobieren. Die ursprünglich angedachte, kompakte Kamera war dann schnell aus dem Rennen. Sie ließ einfach nicht so gut halten, die Auswahl an Wechselobjektiven war klein und die Bedienung war teilweise umständlich. Ich habe mich dann für eine Kamera entschieden, die etwas größer und deutlich schwerer war, aber gut in der Hand lag und bei der alle wichtigen Funktionen schnell und einfach erreichbar waren. Das war mir wichtiger als technische Daten oder eine bestimmte Marke.

Meine Empfehlungen, wenn Sie auf der Suche nach einer Kamera sind, sind daher:

Überlegen Sie sich, was Sie mit der Kamera hauptsächlich fotografieren wollen: Urlaubserinnerungen, Landschaften, Portraits, Sport, Tiere, Gebäude, ...

Soll sie in die Hosentasche passen oder ist das nicht wichtig?

Genügt ein fest eingebautes Objektiv oder soll es auswechselbar sein? Zusätzliche Objektive verursachen Folgekosten.

Wollen Sie die Videofunktion nutzen? Die sollte dann einfach erreichbar sein.

Müssen Sie häufig Schnappschüsse machen, bei denen der Fokus schnell sitzen muss? Dann brauchen Sie einen schnellen Autofokus.

Machen Sie häufiger Serienbilder? Dann ist die Serienbildgeschwindigkeit ein Kriterium (der schnelle Autofokus sowieso).

Soll die Kamera einen Sucher haben oder kommen Sie mit dem Monitor zurecht? Elektronische Sucher sind mittlerweile recht gut, verbrauchen aber zusätzlich Strom.

Genügt ein einfacher Sucher oder benötigen Sie Zusatzinformationen, Hilfslinien, Wasserwaage usw.?

Wird sie vorwiegend im Studio eingesetzt, in Innenräumen oder draußen bei Wind und Wetter?

Ist ein eingebauter Blitz wichtig oder haben Sie ohnehin einen "richtigen" Blitz dabei? Die eingebauten sind praktisch, haben aber vergleichsweise geringe Leistungen.

Versuchen Sie, einen guten Fachhändler zu finden, die Sie neutral berät. Sie zahlen vielleicht etwas mehr als im Versandhandel, aber gerade bei hochwertigeren Systemen sollte einem die zusätzliche Dienstleistung der Beratung etwas wert sein. Sie bekommen garantiert Neuware, haben eine direkten Ansprechpartner, falls es mal ein Problem gibt (Garantie) und können auch nachher noch Hilfe bekommen. Von der häufig praktizierten Idee, sich zunächst beraten zu lassen und dann auf einer Internet-Platform günstiger zu kaufen, halte ich persönlich übrigens gar nichts. das ist eigentlich Betrug am Händler.
Geben Sie nicht zu viel auf Testberichte oder beachten Sie nur den allgemeinen Teil wie die Handhabung und Robustheit. Die technischen Unterschiede zwischen den Marken sind meistens so gering, dass sie nur messtechnisch nachweisbar sind, aber in der Praxis keine Bedeutung haben. Wichtiger ist, dass die Kamera zur geplanten vorwiegenden Anwendung passt, dass der Auslöser dort sitzt, wo der Zeigefinger landet, das sich die Blende, Verschlusszeit oder der ISO-wert schnell verstellen lassen, ohne dass man in Menüs suchen muss.
Es gibt nicht die beste Kamera oder die eine, die für alle Anwendungen optimal ist. Auch der Preis ist nicht immer aussagekräftig. Ein höherer Preis besagt oft, dass die Kamera mehr Möglichkeiten bietet, das wichtigste Element für ein gutes Foto ist aber immer noch  der Fotograf. Wird das Motiv nicht richtig in Szene gesetzt, dann nützt auch die 6000€-Kamera nichts und wird nur zu Enttäuschungen führen. Einsteigermodelle haben oft die gleichen Bildsensoren wie die teureren Modelle, bieten aber meistens weniger Ausstattung und "Features". So muss man dann häufig Abstriche beim Autofokus-System, der Belichtungsmessung, der Geschwindigkeit oder dem Sucher machen. Die Bedienung erfolgt mehr über Menüs als über Tasten. Überlegen Sie sich, was Ihnen hier wichtig ist.
Als engagierter Fotograf werden Sie vermutlich ihre Aufnahmen am PC ein wenig nacharbeiten. Das ist ist nicht verwerflich, sondern holt oft noch ein bischen mehr aus den Bildern heraus. In diesem Fall benötigen Sie keine Unmenge an Programmfunktionen in der Kamera, die für bestimmte Aufnahmesituationen gedacht sind. Das lässt sich per Nacharbeit meistens besser erledigen, Sie haben die Kontrolle darüber und laufen nicht Gefahr, zu vergessen, von einer speziellen Einstellung wieder zum Standard zurückzustellen. Wenn Sie zudem normalerweise RAW-Aufnahmen machen, sind Programme ohnehin sinnlos und somit kein Kaufargument.

Es gibt also keine eindeutige Aussage, aber viel zu überlegen. Doch wenn Sie dann eine Kamera finden, die zu Ihnen und Ihren Anforderungen passt, dann werden Sie damit viel Spaß haben.