Mit dem Sonderzug “Zarengold” von Moskau nach Peking

Tipps, Informationen und Erfahrungen

Nicht nur für ausgesprochene Eisenbahnfreaks ist eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ein Lebenstraum. Es ist sogar eine klare Mehrheit von Reisenden, die die schier unendliche Weite Russlands einmal direkt und nicht nur aus dem Flugzeugfenster erleben will. Mit dem Sonderzug "Zarengold" lässt sich dieser Traum auf relativ komfortable Art erfüllen.
Dieser Zug ist ein Sonderzug, der ausschließlich für Touristen fährt und sich hinsichtlich Komfort deutlich vom Regelzug Moskau-Wladiwostok abhebt. Puristen haben also nicht ganz das echte Transsib-Gefühl. Dafür gibt es keine Sprachprobleme, aber häufige Ausflüge, auf denen man weitaus mehr zu sehen bekommt als es sonst, zumindest ohne erheblichen Aufwand, möglich wäre. Eine Reise mit diesem Zug ist wie eine Kreuzfahrt auf Schienen. Wer allerdings ein rollendes Hotelzimmer erwartet, der wird wohl (je nach Kategorie und eigenem Anspruch mehr oder weniger) enttäuscht werden. Es handelt nun einmal um Zugabteile, deren Größe naturgemäß begrenzt ist.
Der Zarengold ist von Mai bis September fünfmal in jeder Richtung unterwegs.
Mein persönliches Fazit: Die Reise mit dieser "Transsib" lohnt sich auf jeden Fall. Die Abläufe sind sehr gut organisiert, man bekommt viel zu sehen und das manchmal etwas gedrängte Programm führt dazu, dass man Alltag und Arbeit zu Hause schnell vergisst. Wer daheim viel Stress hat, kann sich hier zumindest geistig wunderbar erholen.
Ein bißchen schade ist nur, dass der Aufenthalt in Peking am Wochenende stattfindet. Dann haben auch viele Chinesen frei und die touristisch interessanten Orte sind sehr gut besucht.
Da es beim Reiseveranstalter Lernidee schon reichlich Informationen und ein gutes Video gibt, beschränke ich mich hier auf einige Punkte, auf die auf anderen Seiten nicht so ausführlich eingegangen wird. Eine "Gebrauchsanleitung" für den Zug bekommen Sie mit den Reiseunterlagen. Die hier beschriebenen Tipps und Informationen beruhen auf eigenen Erfahrungen. Sie sind sicher auch mal subjektiv und eine Momentaufnahme, entstanden im Mai 2010. Sollte ich etwas übersehen haben oder sollten Fragen offen bleiben, beantworte ich sie gerne. Die Kontaktadresse finden Sie auf der Startseite unter "Kontakt".

Zarengold 

Die lange Bahnfahrt

Die Fahrt dauert etwa 11 Tage, die gesamte Strecke ist über 8000 km lang. Davon ist ein großer Teil Taiga. Das scheint endlos zu sein und klingt nach Langeweile. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil, die Zeit vergeht wie im Flug. Der Zug fährt überwiegend abends und nachts und in den Vormittag hinein. Fast täglich gibt es einen Stopp mit Stadtbesichtigung oder anderen Aktivitäten. Bleibt zwischen Ausflug und Abendessen oder zwischen Frühstück und Ausflug einmal etwas Zeit, dann wird die meistens mit interessanten Bordvorträgen gefüllt, die vom Thema her immer auf die jeweilige Gegend abgestimmt sind. Mehr als ein Buch als Lektüre mitzunehmen ist sinnlos, man kommt kaum zum Lesen (ich habe ein halbes Buch geschafft). Langeweile kommt weder durch die lange Fahrt noch durch die sich oft wiederholende Landschaft auf.

Ausflüge

Einige Ausflüge müssen zusätzlich zu den "üblichen" Rundfahrten gebucht werden. Die Fahrt auf der Wolga kann man sich meines Erachtens sparen, es gibt da nicht viel zu sehen. Die anderen Pakete sind durchaus zu empfehlen.
In Peking hatten wir, etwas überraschend, zwei "freie" Nachmittage zur eigenen Verfügung. Es ist durchaus sinnvoll, sich darauf einzustellen und sich vorab über mögliche selbst organisierte Ausflüge Gedanken zu machen. Neben Shopping (nicht unbedingt notwendig) bietet sich z. B. ein Besuch des Sommerpalastes an, der im offiziellen Programm nicht vorgesehen ist.

Fotografieren

Wenn Sie eine Kamera mit Wechselobjektiv besitzen: Nehmen Sie nicht zu viel Ausrüstung mit! Auch wenn die Profis die Nase rümpfen, ein gutes Universal-Objektiv ("Immerdrauf"), das Weitwinkel bis leichten Telebereich abdeckt, genügt für fast alle Situationen. Allenfalls ein handliches Tele als Ergänzung bietet sich noch an. Während der Rundgänge ist oft nur wenig Zeit, um zu verharren und ein interessantes Motiv gut in Szene zu setzen, die Gruppe geht zügig weiter. Da bleibt kaum einmal Zeit, ein Objektiv zu wechseln, ein Stativ aufzubauen und die optimale Einstellung für Schärfentiefe und Belichtung zu ermitteln. Häufig werden Sie das "Schnappschuss-Programm" verwenden.

Kleidung

Eines vorab: Es gibt im Zug keinen "Dress-Code". Die Speisewagen sehen zwar sehr elegant aus, doch Abendkleidung ist nicht notwendig. Auch wenn Sie eine der oberen Kategorien buchen, müssen Sie nicht im Anzug herumlaufen. Nehmen Sie lieber bequeme und zweckmäßige Kleidung mit und nicht mehr, als unbedingt notwendig. Stauraum ist knapp und einen schweren Koffer in die Ablage über der Tür zu wuchten ist nicht Jedermans Sache. Notfalls kann man auf etwa halber Strecke, bei einer Hotelübernachtung in Irkutsk, etwas waschen lassen.
Für die Besichtigungen gilt ebenfalls: vor allem bequem. Nehmen Sie Schuhe, mit denen Sie gut laufen können. Wanderstiefel sind nicht nötig, aber Sandalen oder Stöckelschuhe sind auch nicht sinnvoll. Dazu ist das "Zwiebelschalenprinzip" mit Schutz gegen Sonne, Wind, Kälte und Regen zu empfehlen. Das Wetter kann sich schnell ändern, auch wenn morgens die Sonne scheint, ist immer mal ein Gewitter möglich. Je nach Jahreszeit kann die Witterung von sonnig und warm bis zu Schneeregen variieren, und das von einem Tag auf den anderen.
Auch im Zug können die Temperaturen sehr unterschiedlich sein. Die Klimaanlage funktioniert nur während der Fahrt und z. B. im Speisewagen auch nur "digital". Das heisst, entweder kühlt sie mit voller Leistung oder sie ist ausgeschaltet, dann wird es schnell warm. Eine leichte Jacke oder ein dünner Pullover sollte in Reichweite sein.

Klima und Wetter

Sibirien hat ein ausgesprochen kontinentales Klima. Das heisst, die Winter sind lang und sehr kalt, die Sommer sind kürzer als bei uns und können sehr warm werden. Das Wetter ist kaum vorhersagbar und kann sich von heute auf morgen drastisch ändern. Die 14-Tage-Vorhersagen aus dem Internet können Sie getrost ignorieren, sie stimmen höchstens für drei Tage. Für die wichtigsten Stationen gibt es Klimatabellen. Orientieren Sie sich nicht nur am dargestellten Mittelwert, sondern sehen Sie sich auch die Minima und Maxima an. Die Wahrheit wird dazwischen liegen. In der zweiten Maihälfte hatten wir von 5°C in Novosibirsk bis zu 30°C in Moskau und Peking so ziemlich alles.

Beste Reisezeit und Richtung

Wann ist die beste Reisezeit? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Jede Zeit hat ihre Besonderheiten. Mai und September sind im Allgemeinen die trockendsten Monate, aber auch nicht so warm. Im Mai ist die Vegetation noch nicht so weit, viele Bäume sind noch kahl oder zeigen nur erste Ansätze von Grün. Dafür gibt es noch keine Mückenplage und die zugefrorenen Buchten des Baikalsees haben auch einen besonderen Reiz. Peking ist noch nicht so heiß, was die Besteigung der großen Mauer erträglicher macht. Die Sommermonate bieten eine größere Vielfalt an Blumen und Blüten, doch auch der Frühherbst mit seiner eigenen Färbung hat seinen Charme. Hinweis für Allergiker: In der Taiga gibt es Unmengen von Birken, hier die Pollenflugzeit beachten. Im Hochsommer kann es in Sibirien, vor allem aber in Moskau und in Peking, sehr heiß werden.
Von West nach Ost oder umgekehrt? Auch das ist Geschmackssache. Wer Peking noch nicht gesehen hat, für den kann das der krönende Abschluss sein. Peking ist noch eindrucksvoller als Moskau. Wer Probleme mit der Zeitumstellung hat oder gerne länger schläft, der fährt besser von Peking nach Moskau, dann sind die Nächte länger, weil man fast jeden Tag eine Stunde gewinnt. Zudem hat man den großen Sprung gleich am Anfang und kann sich bis zum Ende der Reise gut erholen. Von Moskau nach Deutschland sind es dann nur noch zwei Stunden, die man leichter verkraftet.

Verpflegung

Generell ist ist das Essen gut und reichlich. Was die Köche in der engen, schwankenden Bordküche leisten, ist bewundernswert. Es gibt jeden Tag ein anderes Menü mit drei oder vier Gängen, wobei die russische Tradition im Vordergrund steht. Auch die Restaurants außerhalb des Zuges bieten gutbürgerliche, gute Küche. Die Gefahr, während der Reise zuzunehmen, ist also gegeben. Den Vorschlag, evtl. Abführmittel mitzunehmen, finde ich allerdings übertrieben. Die Portionen sind so abgestimmt, dass sie zu bewältigen sind. Zudem hat man täglich Bewegung und kann sich viele Kalorien wieder ablaufen.
Vegetarier sollten sich rechtzeitig vor dem Beginn der Reise mit ihrem Reisebüro oder dem Veranstalter in Verbindung setzen. Dann wird auch für sie bestens gesorgt werden.

Geld umtauschen

Bargeld bekommt man in Russland in Hotels und inzwischen in vielen Städten auch an Automaten. Hotels und Souvenirshops akzeptieren manchmal auch Dollar oder Euro, in normalen Geschäften muss man in Rubel bezahlen. Tauschen Sie nicht zu viel um, es sei denn, Sie wollten groß einkaufen. Die Spesen im Zug (Getränke) können Sie auch in Euro bezahlen.
In der Mongolei brauchen Sie kein Bargeld, wenn Sie nicht einkaufen gehen wollen. Nachdem der Aufenthalt dort relativ kurz ist und die Ausflüge im Voraus bezahlt sind, fallen keine weiteren Kosten an.
In China können Sie ebenfalls im Hotel oder an Automaten einheimische Währung bekommen. Wenn Sie auf eigene Faust etwas unternehmen wollen, sind ein paar Yuan durchaus angebracht. Die fliegenden Händler nehmen oft auch Dollar und zunehmend sogar Euro. Tauschen Sie Geld erst in China um! In Deutschland verlangen Banken und Sparkassen für die Beschaffung des chinesischen Geldes bis zu 30% Gebühren. In China bekommen Sie wesentlich bessere Kurse.

Für wen ist diese Reise geeignet?

Ganz klar: für Kinder ist das eher nichts. Sie würden sich angesichts der Stadtbesichtigungen, der zahlreichen Basiliken und der lange Zeit recht gleichförmigen Landschaft wohl schnell langweilen. Ansonsten gibt es keine Grenzen. Etwas körperliche Fitness ist von Vorteil, da bei den Besichtigungen auch mal längere Strecken zu Fuß zurückgelegt werden, aber man muss kein Leistungssportler sein. Die älteste Teilnehmerin in unserer Gruppe war immerhin 85 Jahre alt. Zu bedenken ist: In Abteilen mit Stockbetten ist das obere Bett nur über eine kleine Leiter zu erreichen. In kleineren Bahnhöfen hat der Bahnsteig nicht immer die optimale Höhe und bei Halts auf freier Strecke gibt es gar keinen Bahnsteig. Dann halten die hilfsbereiten Schaffner kleine Trittleitern bereit, doch so komfortabel wie bei unseren ICEs ist es nicht. Etwas Treppensteigen lässt sich nicht vermeiden.

Bahntipps

Neben den Sightseeing-Stopps gibt es gelegentlich auch kürzere Halts in kleineren Bahnhöfen, wenn z. B. ein anderer Zug vorbeigelassen werden muss oder die Lok gewechselt wird. Hier kann man sich auch ein wenig die Beine verteten. Aber bleiben Sie in Sichtweite der Schaffner, denn der Zug fährt ungefähr zur geplanten Zeit ohne jede Vorwarnung ab. Die voraussichtliche Aufenthaltsdauer bekommen Sie über den "Bordfunk" mitgeteilt. Hier wie auch bei den Stopps in den großen Bahnhöfen gilt: Der Zug wartet nicht! Wer nicht rechtzeitig zurück ist, muss selber sehen, wie er ihn wieder einholt. Der Zarengold ist zwar ein Sonderzug, aber er fährt auf regulären Strecken und muss sich auch an einen Fahrplan halten.

Zusätzliche Handtücher oder eigenes Toilettenpapier müssen Sie für diese Reise nicht mitschleppen, es ist alles in ausreichender Menge vorhanden.

Nehmen Sie für die Ausflüge ausreichend Getränke mit, unterwegs sind die Möglichkeiten, etwas zu kaufen, oft begrenzt. Mineralwasser in kleinen Flaschen gibt es im Zug.
 
Eine angenehme, eindrucksvolle und erlebnisreiche Reise!