Die Energiewende mitgestalten

Unsere Politiker bekommen die Energiewende nicht richtig hin - also müssen wir mithelfen. Deshalb haben wir uns entschlossen, zusätzlich zum vorhandenen thermischen Kollektor noch PV-Module auf dem Dach montieren zu lassen. Damit können wir nicht nur normalen unseren Strombedarf zu einem guten Teil decken, sondern auch die elektrisch angetriebene Wärmepumpe zumindest teilweise betreiben. Um unsere Unabhängigkeit, auch Autarkie genannt, zu verbessern, haben wir noch eine Speicherbatterie installiert. Diese hat zwei Funktionen:

1. Sie nimmt überschüssige Energie auf und stellt sie wieder zur Verfügung, wenn die Photovoltaik nicht genügend Strom liefern kann. Somit wird der Netzbezug deutlich reduziert.

2. Sie kann mit Batterien anderer Nutzer zu einem "virtuellen Kraftwerk" verbunden werden. Dabei wird ein Teil der Kapazität bereitgestellt, um Bedarfsschwankungen im Stromnetz auszugleichen (Regelenergie).Das heisst: Gibt es ein Überangebot an Strom aus erneuerbaren Quellen, dann werden die Batterien geladen. So müssen diese Erzeuger nicht gedrosselt oder abgeschaltet werden. Umgekehrt können die Batterien Strom ins Netz einspeisen, wenn kurzfristig ein erhöhter Bedarf entsteht.

 

Die Frage, die sich die meisten Interessenten als erste stellen, ist wahrscheinlich diese: Lohnt sich das? Gemeint ist wohl vor allem der finanzielle Aspekt. Das es sinnvoll ist, emissionsfreien, sauberen Strom zu erzeugen, dürfte unbestritten sein.

Die Einspeisevergütung sinkt immer weiter und Fördermittel gibt es derzeit kaum. Dafür sind aber die Preise für Solarmodule in den letzten Jahren deutlich gesunken. Aus meiner Sicht lohnt sich die Investition fast immer. Wie schnell sich die Anlage amortisiert, hängt von verschiedenen Umständen ab wie Standort, nutzbare Fläche, Verbrauch. Man sollte sich von einem erfahrenen Anlagenbauer (heute auch gerne "Solarteur" genannt) beraten lassen. Aus Standortdaten, Dachneigung und Ausrichtung kann der eine sehr gute Prognose für den zu erwartenden Ertrag erstellen. Bei der Auswahl der Module ist zu beachten, dass es Unterschiede beim Wirkungsgrad gibt. So haben günstigere Zellen Wirkungsgrade um 15%, hochwertigere PV-Module kommen auf rund 19%. Das klingt zunächst nach wenig Unterschied, gerade einmal 4%-Punkte, aber im Endeffekt kann die leistungsfähigere Zelle damit fast 27% mehr Strom liefern als die einfachere.

 

Während ich davon überzeugt bin, dass sich eine reine PV-Anlage in überschaubarer Zeit amortisiert (unter 10 Jahre), ist das bei der Batterie nicht ganz der Fall. So ein Stromspeicher erhöht die Autarkie zweifellos erheblich. Die immer noch hohen Kosten für die Anschaffung und die begrenzte Nutzbarkeit verlängern die Zeit, bis sich die Batterie bezahlt macht. In unserem Fall gehe ich davon aus, dass es etwa 15 Jahre werden. Wie viel Strom der Speicher liefert, wird zwar von der Steuerung gemessen, aber leider in der Auswertung nicht aufgeführt. Ich unterstelle hier mal, dass der Endkunde darüber im Unklaren gelassen werden soll. Doch auch wenn man damit nicht reich wird, leistet man immerhin einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität. Unsere Stromrechnung ist um gut 2/3 niedriger als zuvor. Da der Stromverbrauch durch die Wärmepumpe höher ist als üblich, lohnt sich das auf jeden Fall.

Zur optimalen Größe und der erzielbaren Unabhängigkeit kann wieder der Solarteur Auskunft geben. Eine Faustformel sagt, dass die Batteriekapazität in kWh ungefähr der Leistung der PV-Anlage in kWp entsprechen sollte.

 

Die Eckdaten zur Anlage: 28 Module, ca. 46m², knapp 9kWp, Batteriespeicher 10kWh Nutzkapazität.

 

Einige Anlagen mit Speicher können so aufgerüstet werden, dass sie im Falle eines Stromausfalls den Haushalt weiter versorgen können. Allerdings lassen sich die Anbieter diese Option gerne vergolden, obwohl die wesentlichen Komponenten bereits eingebaut sind.

 

Wer sich für eine Photovoltaikanlage (meinetwegen auch Fotovoltaik) entscheidet, muss sich über noch eine Sache im Klaren sein: In Deutschland geht nichts einfach und unbürokratisch! Sobald man selbst erzeugten Strom ins Netz einspeist, wird man zum Unternehmer. Gute Installateure helfen beim Umgang mit der Bürokratie. Immerhin ist für die Betreiber kleiner Anlagen auf privaten Dächern einiges etwas einfacher als für Stromkonzerne und die meisten gemeinden verzichten auf eine Gewerbeanmeldung. Man solltre sich nicht abschrecken lassen!